Chinas Überwachung. Das Social-Credit-System

Die kommunistische Regierung in Peking hat sich ein klares Ziel für das nächste Jahr gesetzt: Eine Straßenkamera für jeden zweiten Bürger Chinas. Jeder der 1,4 Milliarden Chinesen kann dann von den 626 Millionen geplanten Kameras überwacht werden. Viele von ihnen haben hochtechnologische Gesichtserkennungsfunktionen.


Noch ein weitere Rekord geht an die Chinesen: China besitzt ab sofort die fünf meist-überwachten Städte weltweit. Die Hauptstadt der Überwachung stellt Chongqing mit mehr als 2,5 Millionen Straßenkameras, oder eine Kamera auf sechs Einwohner. Auf den Plätzen zwei bis fünf finden wir Shenzhen, Shanghai, Tianjin und Ji’nan.

Millionen Überwachungskameras in China


In der Grenzstadt zu Hongkong Shenzhen, eine Stadt mit 12 Millionen Einwohnern, werden in den kommenden Jahren 16 Millionen Kameras in Betrieb genommen. Schon heute gibt es fast zwei Millionen davon.
Diese Millionen an Kameras werden nicht nur dafür verwendet Straftaten schneller aufzuklären oder schon im Vorfeld zu verhindern, der Hauptgrund ist die lückenlose Durchsetzung der regierungsliebsamen sozialen Normen. Das kann am besten mit AI-Kameras bewerkstelligt werden, von denen es derzeit schon über 200 Millionen gibt und bis zum Jahre 2020 verdreifacht werden. Dieses weltweit einzigartige und machtvolle Überwachungskonzept kann jeden der 1,4 Milliarden Chinesen innerhalb von drei Sekunden identifizieren und seinen exakten Standort feststellen. Erinnerungen an den Roman von George Orwell „1984“ drängen sich direkt auf.

Straßenkamera


Dieses lückenlose Überwachungssystem ist also mit dem sogenannten „Social-Credit-System“ verknüpft. Mit diesem System werden die Bewohner anhand ihres täglichen Verhaltens bewertet und ebenso behandelt. Aufgrund des Bewertungsstatus der Person wird festgelegt, wie einfach jemand beispielsweise eine Wohnung mieten kann, ein Flugticket oder eine Tasse grünen Tee kaufen darf. Gemäß der Regierung soll dieses System „die Moral im Land wiederherstellen“. In diesen Genuss sind letztes Jahr 2,6 Millionen Chinesen gekommen, denen man den Erwerb von Flugtickets aufgrund schlechter Bewertung im Social-Credit-System verweigert hatte oder 90.000 Chinesen, die keine Zugkarte kaufen durften, alleine im Juli 2019.

China ist führend in der Entwicklung von AI (artificial intelligence – künstliche Intelligenz) und setzt diese konsequent in der Überwachung seiner Bürger ein.


In der Stadt Zhengzhou verwendet die Polizei Smartglasses, also Sonnenbrillen mit eingebauter Gesichtserkennungs-Technologie um Straftäter in den Bahnhöfen zu erkennen.

Polizei mit Smartglasses zur Identifizierung von Straftätern.


In Shenzhen setzt die Polizei Straßenkameras ein um Fahrzeuglenker, die die Straßenverkehrsordnung nicht einhalten, zu identifizieren. Kameras an Fußgängerübergängen identifizieren sofort Fußgänger, die bei rot über die Kreuzung gehen oder andere Vergehen begehen. Die Software erkennt die Gesichter, identifiziert sofort die Personen und wirft ein Foto inkl. vollen Namen auf übergroße LED-Anzeigen an den Straßen. Mitsamt einem Punkteabzug im Social-Credit-System.

Überwachungskameras mit Gesichtserkennungssoftware an Fußgängerübergängen.


Die Polizei in Hongkong hat innerhalb von zwei Monaten drei flüchtige Verbrecher aufgefunden. Sie wurden von Gesichtserkennungskameras während eines Musikkonzerts entdeckt und sofort verhaftet.

Gesichtserkunnungssoftware


In Changsha und Chongqing werden sogar öffentliche Toiletten mit Kameras versehen um den Diebstahl von Toilettenpapier einzudämmen und in den Klassenräumen der Provinz Zhejiang kontrollieren Kameras die Aufmerksamkeit der Schüler um sofort ihren Social Credit entweder up- oder downzugraden.

Social-Credit-System im Klassenzimmer

Ob dieses System ein Segen oder ein Fluch ist, steht in China nicht zur Debatte. In großangelegten Fernsehkampagnen werden die Vorzüge einer „sauberen Moral“ ins Land posaunt. Widerspruch gibt es kaum. Zum einen sind es die Chinesen gewohnt von der kommunistischen Regierung umfangreich überwacht zu werden, zum anderen ist die Angst nach weiteren Repressionen bis hin zum Totalverlust aller Bürgerrechte sehr groß.

Ein weiteres Überwachungswerkzeug ist WeChat. WeChat ist eine Messenger-App, die sowohl Kommunikationsmittel wie auch soziales Netzwerk und Markplattform in einem darstellt. Ein chinesischer WeChat-User kann sowohl mit seinen Freunden chatten, Fotos und andere Informationen teilen, in einem Firmennetzwerk arbeiten, ein Hotel buchen oder ein Taxi bezahlen. Alles mit einer App. Selbsterklärend, daß die Regierung diese Aktivitäten penibelst überwacht und Bestand des Social-Credit-System darstellt, arbeiten ja die großen App- und Mobilfunkanbieter eng mit der Regierung zusammen.

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