Der Handelskrieg zwischen den USA und China. Die Situation.

Ausgehend von den Marktdaten sieht es derzeit so aus, als ob die USA diesen Handelskrieg mit China gewinnen dürften. Die US-Beschäftigungszahlen sind gestiegen und ebenso hat der Börsenmarkt etwas zugelegt. Der chinesische Handel bewegt sich allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Die Börsen in Shanghai und Shenzhen haben verloren.

Obwohl amerikanische Unternehmen ihre Vorräte schon aufgestockt haben, in Vorbereitung auf mögliche Importzölle, werden die Auswirkungen des Handelskriegs mit China immer öfter sichtbar.

Internationale Unternehmen, die vor Jahren nach China gegangen sind, überdenken ihre Lieferkette. Ein neues Supply-Chain-Management muß her. Die Marktsituation in China reift immer mehr zu einer fortgeschrittenen Wirtschaft heran. Strengere Umweltauflagen, flexiblerer und besser ausgebildete Arbeitnehmer und dementsprechend höhere Löhne bringen immer mehr ausländische Unternehmen dazu China zu verlassen. Verkaufen Unternehmen nicht am chinesischen Markt, sind sie eher geneigt ihre Standorte nach Vietnam, Indonesien oder Thailand zu verlegen.

Asien wird somit der größte Nutznießer dieses Handelskriegs.

Die beiden größten Wirtschaften dieser Welt, die USA und China, haben fast $360 Milliarden an Zöllen gegeneinander eingeführt. Trump hat schon angekündigt, daß er bereit sei weitere Zölle im Wert von $250 Milliarden auf chinesische Produkte einzuheben.

Ganz gleich wie diese Spirale weitergeht, eines bleibt. Auch wenn es kein Massen-Exodus aus China ist, aber es ist eine Bewegung, die ein neues Gleichgewicht in Südost-Asien bringt.
Abgesehen von Mobiltelefonen, Notebooks und andere elektronische Produkte, verlassen immer mehr Bekleidungsproduzenten China. Auch Automotive-Teile sind im Visir der Zölle. Um nicht Marktanteile in Südamerika zu verlieren, welches den chinesischen Herstellern oft als Einstiegsplatz in die USA gedient hatte, müssen sie nun selber ihre Fabriken in andere asiatische Länder verlegen.
Starke Freihandelsabkommen, wie das CPTPP (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership), dem Malaysien, Singapur und Vietnam angehören werden, verstärken diese Tendenz.

Automotive-Sektor

Der Automotive-Sektor ist ein heiß umkämpfter Bereich in den Verhandlungen. In keinem anderen Bereich werden insgesamt mehr Wirtschaftsbereiche angesprochen wie in diesem. Vor allem sind eine große Anzahl von Arbeitern in diesen Industrien beschäftigt.
Laut einer Untersuchung der EIU (Economist Intelligence Unit) wurden nach China fast 20% aller US-Autoexporte in 2017 geliefert. Das entspricht einem Wert von rund $10,3 Milliarden von dem der größte Teil auf die amerikanischen Produktionslinien von BMW und Mercedes-Benz entfielen. Die meisten amerikanischen Top-Marken wie Buick werden nämlich schon in China produziert. Chinesische Srafzölle auf us-amerikanische Autos stellen kein nennenswertes Problem dar weil weniger als 10% des Exports nach China gehen. Aus diesem Grund wechseln chinesische Autoteile-Produzenten nach Thailand und Malaysien. Die großen Luxusauto-Hersteller wie BMW und Mercedes-Benz haben schon Fabriken in Thailand in Betrieb und diese werden ihre Kapazitäten erhöhen um die fehlenden Exporte von China aufzufangen.

Bekleidungs-Sektor

Eine ähnliche Vorgehensweise finden wir im Bekleidungssektor. Kaum ein „Made in China“ befindet sich darunter. Fast jedes exportierte Kleidungsstück kommt aus Bangladesch, Vietnam und Indien.

Die Suche nach billigen Arbeitskräfte gibt es schon Jahrzehntelang, schon lange vor dem Handelskrieg zwischen den USA und China war die Herstellung von Bekleidung in Bangladesch aufgrund der billigen Arbeitskräfte auf dem Vormarsch. Die großen internationalen Marken wie H&M, The GAP, Levi´s und ZARA produzieren schon lange in Bangladesch und können ihre chinesischen Kontingente leicht verlagern falls US-Strafzölle ihre Produkte aus China erheblich verteuern sollten.

Vietnam ist heute der drittgrößte Exporteur von Bekleidung mit einem Handelsvolumen mit den USA von $12,5 Milliarden in 2017. Das sind fast 50% des Gesamtexportvolumens und 5% des vietnamesischen BIP.

ZARA betreibt einige Nähereien in Bangladesch und könnte ebenso noch mehr Kapazitäten aus China abziehen falls US-Strafzölle auf chinesische Produkte erhoben werden. Die Lieferantenbasis wurde schon vor einiger Zeit aus China verlegt, nachdem die Löhne dort seit Jahren im Steigen begriffen sind. Der Handelskrieg hat diese Entwicklung noch verstärkt.

Nachdem nun immer mehr Produktionen aus dem entwickelten China abgezogen werden und in die südlichen Wachstumsmärkte verlagert werden, entsteht dort neuer Wohlstand, der in diesen Ländern bleibt und diese weiterentwickelt. Das Prokopf-BIP Vietnams beläuft sich auf rund $2.300,- verglichen mit dem von China mit rund $12.000,- und dem von Bangladesch mit $1.500,-.

Die Auswirkungen

Diese positiven Auswirkungen für die süd- und südost asiatischen Länder werden sich nicht über Nacht einstellen. Es wird ein paar Jahre dauern bis multinationale Konzerne neue Strategien implementiert haben, neue Lieferanten und Partner gefunden haben, verschiedene Rechtssysteme verinnerlicht haben und die notwendigen Genehmigungen und Lizenzen für umfangreiche neue Produktionen erworben haben. Laut des EIU Reports „Asia´s Winners in the US-China Trade War“ vom 1. November 2018, werden die negativen Effekte noch vorherrschend sein bis dann ca. 2020 die Vorteile für diese Region sichtbar und spürbar werden.


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